Zwischen Vater-Kritik und Top-Material: Rosberg über seinen Weg an die Spitze
(Motorsport-Total.com) - Als Nico Rosberg noch nicht einmal von der Formel 1 träumte, stieg er im Alter von nur sechs Jahren das erste Mal in ein eigenes Kart. An seiner Seite: Vater Keke Rosberg, der 1982 die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen und in 114 Grands Prix fünf Siege gefeiert hatte. Nico stellte sich schnell als Siegfahrer heraus - auch deshalb, weil ihm stets erstklassiges Material zur Verfügung stand, um sich gegen das Feld durchzusetzen.

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Nico Rosberg spricht über seine Anfänge im Kartsport Zoom
Die fahrerischen Ratschläge des Vaters nützten dem Nachwuchspiloten allerdings weniger als die überlegene Technik. Die Methoden der alten Rennfahrer-Generation ließen sich schlichtweg kaum noch auf die moderne Welt des Motorsports übertragen. In einem kleinen Caravan reiste das Vater-Sohn-Gespann zu den Kartstrecken Südfrankreichs, wo sich prompt die ersten Erfolge einstellten.
Über die Dynamik mit seinem Vater, der ihn stets begleitete, sagt der Weltmeister von 2016 gegenüber dem Spiegel: "Ganz ehrlich, das kann man nicht. Als ältere Generation von außen viel beitragen, das ist schwierig. Ich habe mich aber auch schwer getan zuzuhören, wenn mein Vater was gesagt hat. Kritik von ihm hat mich immer sehr verletzt. Ich wollte, dass mein Vater stolz auf mich ist. Und nicht hören, dass ich etwas schlecht mache."
Das beste Material für Rosberg
Statt auf väterliche Instruktionen zu bauen, eignete sich Rosberg das Einmaleins des Rennsports im Alleingang an: "Ja, das ist komplett selbst gelernt. Mein Vater hat mir entscheidend geholfen bei den Strukturen, der Organisation und der Zusammenstellung des Teams. Ich hatte auch immer das beste Material, das allerbeste." Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten musste er sich nie mit schwächeren Motoren, abgefahrenen Reifen oder fehlerhaften Teilen herumschlagen.
Fotostrecke: Die Formel-1-Karriere des Nico Rosberg
2001 folgte der Umstieg in den Formelsport, 2002 sicherte er sich souverän den Titel in der Formel BMW des ADAC. Die Prämie: eine Testfahrt im Formel-1-Boliden von BMW-Williams. Der Traum von der Königsklasse war plötzlich zum Greifen nah - und löste bei dem Deutschen gehörigen Respekt vor dem ersten Ritt im echten Formel-1-Wagen aus.
"Ein toller Moment, für mich der pure Wahnsinn", so Rosberg. "Ich war 17, die Formel 1 noch so weit entfernt von realistisch, und dann sagt mir ein BMW-Mann auf der Bühne, dass ich mit der Meisterschaft auch einen Formel-1-Test gewonnen habe. In einem Williams, das war das Topteam neben Ferrari. In dem Rennstall, mit dem mein Vater 20 Jahre zuvor Weltmeister geworden war." Rosberg war "überwältigt", Tränen flossen.
Der erste Ritt im Formel-1-Auto
In Barcelona stand der Moment der Wahrheit an: Er durfte erstmals im Cockpit Platz nehmen, das Triebwerk zünden und auf das Gaspedal steigen. "Angst war auf jeden Fall dabei", gibt er zu. "Die Stammpiloten hießen Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya. Ich dachte, dass nur solche Legenden so eine Rakete fahren können."
Fotostrecke: Keke und Nico Rosberg in ihren WM-Autos
"Ich dachte, ich bin ein Kind, habe noch nicht einmal einen Führerschein. Der Rennwagen, den ich bislang gefahren war, hatte 140 Pferdestärken. Und dieses Teil hatte mehr als 900 Pferdestärken."
Schließlich sprang die Ampel auf Grün: "Dann bin ich aus der Boxengasse raus und habe das erste Mal das Gaspedal eines Formel-1-Autos durchgedrückt bis zum Anschlag. Das ist so was Heftiges! Das kann man sich gar nicht vorstellen, was das für eine Beschleunigung ist. Aber dann passierte etwas, das ich in meiner Karriere immer wieder erlebt habe."
Vollgas um den Kurs in Spanien
Anstatt vorsichtig um den Kurs zu rollen, attackierte Rosberg vom ersten Meter an: "Ich fühlte mich wie ein Fisch, der ins Wasser taucht. Es war für mich ganz natürlich, mit so einem Auto zu fahren." An der Boxenmauer vermuteten alle derweil Stammfahrer Montoya am Steuer, derart aggressiv peitschte der Bolide über den Asphalt.
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"Er sah das Williams-Auto auf der Geraden mit Vollgas runterkommen und wie es auf der letzten Rille in die Kurve reinbremst. Alle haben gedacht: Der Montoya lässt es in der ersten Runde aber krachen. Eine Kurve später sagt einer: 'Nee, nee, bist du verrückt? Das ist der Nico!‘ Es gibt von meiner ersten Runde eine Videoaufnahme, auf der ein 'Ist der denn bekloppt?‘ zu hören ist", erinnert sich Nico Rosberg.
"Eigentlich hatten alle auf dem Hügel die Sorge, dass ich es nicht schaffe, die Reifen auf Temperatur zu bringen, weil ich so langsam rumeiern würde. War aber nicht so", resümiert er. Rosberg untermauerte sein Ausnahmetalent. Der Rest gehört den Geschichtsbüchern: Über die Formel-3-Euroserie, die spanische Formel 3 und die GP2 bahnte sich der Youngster seinen Weg in die Königsklasse.
Keke Rosberg als Inspiration
Zunächst dockte er bei Williams an, später bei Mercedes. Die Laufbahn krönte er 2016 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft, den er sich im packenden Stallduell gegen Teamkollege Lewis Hamilton sicherte. Wenige Wochen nach den Feierlichkeiten verkündete er überraschend seinen Rücktritt. Rosberg war am Ziel seiner Träume angekommen - getragen von Top-Material und dem Rückhalt seines Vaters, seinem sportlichen Fixstern.
"Was die Inspiration angeht, war mein Vater ausschlaggebend, nicht [Michael] Schumacher", erklärt Rosberg. "Somit wäre der Weg der gleiche gewesen. Aber es wäre schwieriger gewesen, meine Karriere zu finanzieren - weil die größtenteils durch deutsche Sponsoren abgedeckt wurde. Ohne den Schumacher-Hype hätte mein Vater mit Sicherheit viel in meinen Weg investieren müssen. Und da reden wir von Summen im Millionenbereich."
Während Rosberg auf gewachsenen Strukturen aufbauen konnte, verlief die Jugend seines einstigen Titelrivalen und heutigen Ferrari-Piloten Hamilton ungleich steiniger. Dem Briten fehlte ein weltmeisterlicher Vater im Hintergrund - und vor allem konkurrenzfähiges Kartmaterial.
Hamilton hatte das Material nicht
"Ich erinnere mich an meine Tage als junges Kind, als mein Go-Kart aus fünfter Hand stammte, völlig verbogen war und ich immer von hinten starten musste, um mich dann durch das Feld zu kämpfen", rekapitulierte der Brite nach seiner Aufholjagd in Malaysia 2026. "Das hat mich ein wenig dahin zurückversetzt. Ich habe das wirklich genossen."
Das Interview ist ein Auszug aus dem Buch "Über Michael Schumacher und die deutsche Ära in der Formel 1" des früheren Spiegel-Redakteurs Alfred Weinzierl, der darin mit sieben Piloten, darunter auch Nico Rosberg, gesprochen hat. (ANZEIGE: Das Buch von Alfred Weinzierl jetzt online bestellen!)
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